Familiengeschichte

Die Familie von Winterfeld/von Winterfeldt ist ein uradliges märkisches, ursprünglich wohl aus dem östlichen Niedersachsen stammendes Adelsgeschlecht, das mit Adam von Winterfeld 1286 erstmals urkundlich erscheint (Zeugenliste auf einer Urkunde in Greifswald, Pommersches Urkundenbuch, Band II, Stettin 1885, Nummer 1402). Von den ehemals mehreren Hauptlinien besteht nur noch die Brandenburgische Hauptlinie mit ihren Prignitzer, Neumärkisch-Schlesischen und Uckermärkischen Zweigen, die sich jeweils in mehrere Häuser, darunter auch ein flandrisches und dänisches Haus, aufgliedern. Die Schreibweise „von Winterfeldt“ (mit „dt“) wurde im 19. Jahrhundert für das Haus Menkin verbindlich und folgt damit einem schon früher nachweisbaren Brauch.

Das Wappen zeigt in blauem Feld einen über eine (im 14. Jahrhundert gelegentlich auch zwei) gebundene Korngarbe springenden naturfarbenen Wolf. Die Helmzier besteht aus blaugoldenen Decken und dem steigenden Wolf zwischen zwei geharnischten Armen. Einem verbreiteten Brauch des 16. Jahrhunderts folgend sind zwei Devisen „Moderata durant“ („nur das Maßvolle überdauert“) und „Petit ardua virtus“ („Stärke sucht Herausforderung“) in Verbindung mit dem Wappen überliefert.

Die verbreitete Meinung, das Geschlecht sei aus dem sächsischen Kernland um Braunschweig und Wolfenbüttel mit König Heinrich I. und anderen Familien 926 in die Altmark eingewandert, geht auf eine brandenburgische Chronik des 16. Jahrhunderts zurück. Zeitgenössische Quellen als Beleg dafür fehlen, da es noch keine Geschlechternamen gab. Offenbar war aber der Verfasser der Ansicht, daß die Familie zu den ältesten der Mark Brandenburg zählte. Dagegen weist manches darauf hin, daß die Winterfelds wohl ursprünglich ein Zweig des sich schon im Hochmittelalter – nach fehlgeschlagener Gründung einer eigenen reichsunmittelbaren Herrschaft durch Gunzelin – auflösenden bedeutenden Adelssippe der Herren von Wolfenbüttel waren. Dieser Familienverbund nannte sich seit altersher nach seinem Stammsitz Wolfenbüttel „de Wolfenbutele“ oder auch „Grafen von Peine“ bzw. „von der Asseburg“. Es kann angenommen werden, daß der Ort Winterfeld bei Salzwedel/Altmark schließlich der namensstiftende Sitz eines Zweiges (oder Vasallen?) der Wolfenbüttler wurde, der dann den Namen „von Winterfeld“ annahm.

Eine quellenmäßige Verbindung existiert auch hier nicht, jedoch lassen sich einzelne Namensträger mit dem nahen altmärkischen Kloster Arendsee (auch als Priester) noch im 14. Jahrhundert nachweisen. Außerdem existiert eine Wappengemeinschaft nicht nur mit den o.g. Reichsministerialen sondern auch mit den ausgestorbenen Familien von Bartensleben, von Berwinkel, von Apenburg usw., deren Stammsitze dicht bei dem Ort Winterfeld liegen. Dieser wird zwar erst 1363 erwähnt, besitzt aber eine spätromanische Kirche (nach 1200).

Im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert verlagerte die Familie ihren Schwerpunkt im Zuge der Ostkolonisation nach Nordosten. Ob frühe pommersche Chroniken (Kanzow, 16. Jahrhundert, Micrälius, 18. Jahrhundert) zu recht die Winterfelds bereits mit Heinrich dem Löwen 1148 in Verbindung bringen und sie 1179 im Dienste der pommerschen Herzöge erwähnen, ist durch zeitgenössische Schriftquellen nicht belegt. Der vermutlich namengebende Ort Winterfeld muß als Zwischenstation angesehen werden, an dem nur wenige Mitglieder verblieben. Der adlige Stamm ist in der Altmark seit dem 15. Jahrhundert erloschen, lebte aber wohl als bürgerliche Familie in Salzwedel, Seehausen und Gardelegen bis ins 18. Jahrhundert weiter.

Die von Winterfelds verbreiteten sich in Vorpommern, der Uckermark und vor allem in der Prignitz. In diesen Gebieten spielten sie als Großvasallen „Schloß- und Burggesessen“ eine wichtige Rolle.

In Vorpommern, wo sie älteren Chroniken zufolge vielleicht schon im späten 12. Jahrhundert eingewandert waren, werden zwischen 1286 und 1300 nicht weniger als vier Ritter urkundlich genannt, zum Teil mit ihrem Wappensiegel (so z.B. Ditricus von Winterfeld). Bis 1340 sind elf Mitglieder zweier Generationen nicht nur Besitzer wichtiger Burgen (Demmin, Osten, Wolde), sondern auch landesherrliche Räte. Auch in Hinterpommern sind die Winterfelds als Stamm nachweisbar durch Urkunden 1337 und 1356 und durch die Beschreibung eines Glasfensters der Kirche zu Wintershagen, wo allein acht Generationen aufgelistet waren. Ein im Besitz befindlicher Stammort in der Nähe trug damals den (offenbar) sekundären Namen „Winterfeld“.

In der Uckermark deutet die Lage der Besitzungen im 14. und 15. Jahrhundert im Umkreis von Prenzlau auf einen genealogischen Zusammenhang mit dem vorpommerschen Zweig hin. Aus sechs Generationen bis Mitte des 16. Jahrhunderts sind fünfzehn Mitglieder urkundlich mit ihren Besitzungen und zum Teil mit Siegeln belegt. Bezeichnenderweise ist darunter „Arendsee“, das sicher nach dem mit der Familie verbundenen Kloster in der Altmark benannt war und ebenfalls mit einer Klosterstiftung verbunden wurde.

Am bedeutendsten war die Stellung der Winterfelds in der Prignitz. Die unterschiedlichen Vornamen lassen erkennen, daß sie wohl nicht aus Vorpommern eingewandert sind, sondern einen selbständigen Stamm bildeten, der sich ab 1329 urkundlich in mehreren Generationen mit zahlreichen Mitgliedern nachweisen läßt. Die Stammreihe aller heutigen Namensträger beginnt mit Dietrich (Ditricus) um 1380 bis 1420 auf Dallmin, jener Burg, die 1344 Conrad von Winterfeld vom ersten Wittelsbachischen Markgrafen Ludwig dem Älteren als Dank für Gefolgschaft bei Kämpfen in Vorpommern erhielt. Sie war schon damals unter mehreren Linien geteilt.

In der Folge steigerte das Geschlecht in der Prignitz seine Bedeutung. Georg von Winterfeld (1580–1657) erwarb u.a. Freyenstein und Neuhausen. Sein Enkel Joachim Detlof (1654–1733) wird auf einem Stich mit seinem Porträt als Herr auf zehn Gütern bezeichnet.

Die Familie stellte später unter anderem den brandenburgischen Kurfürsten regelmäßig Geheime Staatsräte, Direktoren des Geheimen Ratskollegiums sowie mithin auch Landvögte und Statthalter der Mark (u.a. Reimar von Winterfeld, Detloff von Winterfeld, Samuel von Winterfeld).

Zweige des Geschlechts breiteten sich im 17. Jahrhundert mit umfangreichem Grundbesitz auch auf das seinerzeit österreichische Schlesien aus und wanderten in die Kurpfalz ein (z.B. Dietrich von Winterfeld), wo sie ebenfalls hohe Positionen einnahmen.

Im Königreich Preußen zeichnete sich die Familie durch bedeutende Feldherren und andere Militärs aus: am bekanntesten Hans-Karl von Winterfeldt, Generalleutnant und Freund Friedrich des Großen, Vorläufer des Preußischen Generalstabs; ferner die Generäle Hugo von Winterfeld, Sigismund Detlof von Winterfeldt. Auch im Preußischen Herrenhaus, im Reichstag und im Reichsrat bekleideten Mitglieder der Familie verantwortungsvolle Positionen (u.a. Karl-Ulrich von Winterfeldt, Ludwig Gustav von Winterfeld, Joachim von Winterfeldt, Landeshauptmann und Präsident des Deutschen Roten Kreuzes). Der Jurist Karl von Winterfeld (1784–1852) wurde über seine musikwissenschaftliche Sammlung zum Begründer der musikwissenschaftlichen Forschung und der Bach-Renaissance des 19. Jahrhunderts. Paul von Winterfeld (1872–1905) gilt als bedeutender Altphilologe und Germanist. Luise von Winterfeld (1882–1967) zeichnete sich als Historikerin aus und war eine der ersten Frauen im Deutschen Reich, die ein wissenschaftliches Studium absolvierte.

Einzelne Familienmitglieder traten aber auch in ausländische Dienste – so wird z.B. im 14. Jahrhundert ein Styrnad von Winterfeld, der seinerzeit die berühmte Bergfestung Königstein besaß, als Kammerherr im Dienste des Königs Wenzel von Böhmen genannt. Im 17. Jahrhundert traten andere Familienmitglieder auf die spanisch-habsburgische Seite (Spanische Niederlande) über. Als Feldmarschälle, Generäle und Gouverneure von Lier/Lierre und Dendermonde/Termonde (heute Belgien) wurden Winterfelds vom spanischen König zu Marquis (Markgrafen) und vom Kaiser in Wien zu Grafen ernannt (z.B. Marquis Carl Theodor von Winterfeldt, Graf Ernst von Winterfeldt). Ein weiterer, zuvor in Mecklenburg sesshafter Zweig, stand als Lehensfreiherren in königlich dänischen Diensten und zeichnete sich besonders am königlichen Hofe und im Militär aus (z.B. Lehensfreiherr Helmuth Otto von Winterfeldt auf Wintersborg, Jörgen Balthasar von Winterfeldt).

Noch heute leben in Deutschland Nachkommen dieser weit verzweigten Familie, die sich in einem in Berlin 1857 gegründeten Familienverband (der im Dritten Reich verboten und aufgelöst wurde und sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland neu formierte) und einer in Perleberg/Prignitz bereits seit 1882 bestehenden und vom Familienrat verwalteten Familienstiftung organisiert hat und sich regelmäßig zu Familientagen zusammenfindet. Bis 1945 und nach 1990 wieder ist die Familie in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern begütert, trotz ursprünglich nach 1945 in der SBZ (bzw. DDR) groß angelegter kommunistischer und nach der Wiedervereinigung nicht angemessen geheilter staatlicher Enteignungsmaßnahmen. Die Nachkommen der dänischen Lehensfreiherren von Winterfeldt, wie z.B. die Grafen Holck-Winterfeldt, sind auch heute noch als Grafen Knuth-Winterfeldt in Dänemark angesessen. Nachkommen der flandrischen Marquis und Grafen de Winterfelt bzw. de Wintervelt – wenn auch mit anders lautenden Familiennamen – sind immer noch in Belgien und den Niederlanden beheimatet, haben jedoch keine Verbindung mit der Familie in Deutschland.